Tierschutzverein Dippoldiswalde u.U.e.V. (Rabenauer Str. 40 · 01744 Dippoldiswalde) - Wir können die Betreuung der Fundtiere absichern

Artikel aus der „Sächsischen Zeitung“ vom 21.3.2011 (mit freundlicher Genehmigung)
 

„Wir können die Betreuung der Fundtiere absichern“

Ute Weißbach
Ute Weißbach, die langjähirge Vorsitzende des Tierschutzvereins Dippoldiswalde und Umgebung,
und Kater Tommi, ein Bewohner des Tierheims Reichstädt, das der Verein betreibt.
Foto: Egbert Kamprath

Frau Weißbach, Sie haben in den vergangenen Monaten mit den Kommunen im oberen Kreisgebiet wegen der Zuschüsse fürs Tierheim verhandelt. Wie ist der Stand?

Wir haben mit fast allen Kommunen Verträge vereinbaren können. Das war nicht ganz einfach, weil wir erst im November erfahren haben, dass aus der Solidargemeinschaft der Kommunen im oberen Kreisgebiet nichts wird. Es gab daher auch keine Abstimmung über unseren Vorschlag, dass der Zuschuss je Einwohner bei 70 Cent liegen sollte. Das hat dazu geführt, dass die Beträge unterschiedlich sind. Mit denjenigen, deren Zuschuss bei 30 Cent pro Einwohner liegt, ist vereinbart, dass sie für die ersten 28 Tage, die ein Fundtier bei uns betreut wird, extra bezahlen. Das fällt bei den anderen weg.

Wie sieht die finanzielle Situation des Tierheimes 2011 aus?

Wir haben einen ausgeglichenen Haushalt. Jeder Kommune, die mit uns für 2011 einen Vertrag hat, können wir diese Betreuung auch garantieren. Ich will an dieser Stelle klar sagen, dass unser Verein nicht vor der Insolvenz steht.

Bei der Zusammenarbeit mit Höckendorf und Glashütte hapert es aber. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Bei Höckendorf hat uns das sehr gewundert. Mit dem Bürgermeister hatten wir vor Weihnachten ein langes Gespräch. Anschließend sah alles danach aus, dass die Gemeinde einen Zuschuss von 30 Cent je Einwohner plus Einzelabrechnung leistet will. Woher jetzt die Kehrtwendung kommt, können wir nur vermuten. Aber ich werde auf jeden Fall noch einmal auf den Bürgermeister zugehen. Bei Glashütte liegt der Fall anders.

Inwiefern?

Die Stadt stellt Forderungen, die wir nicht erfüllen können. Wir übernehmen für die Kommunen deren Pflichtaufgabe der Betreuung von Fundtieren, sind aber damit nicht zugleich auch für herrenlose Tiere zuständig. die Stadt Glashütte wirft das aber alles in einen Topf.

Wo liegt der Unterschied?

Fundtiere sind Tiere, die ihrem Besitzer entlaufen sind oder ausgesetzt wurden. Es sind also zahme Tiere, die nach Fundrecht behandelt werden. Als herrenlos werden dagegen wildlebende Tiere bezeichnet. Sie werden auch nicht vermittelt, wenn man sie eingefangen hat, sondern wieder ausgesetzt. Diese Tiere sind Sache der jeweiligen Ortspolizeibehörde, deren Chef der Bürgermeister ist.

Was genau fordert Glashütte?

Glashütte hat nach eigener Auskunft in den vergangenen drei Jahren mit den Tierheimen in Freital und Reichstädt zusammengearbeitet. Nach Freital gingen in dieser Zeit 39 Tiere, davon 30 wilde, bei uns waren 32 Fundtiere. Das wäre also für uns in etwa ein verdoppeltes Aufkommen an Tieren. Das geht nicht. Noch dazu fordert Glashütte, dass wir einen sogenannten Polizeizwinger einrichten, der jederzeit zugänglich ist, und eine Rufbereitschaft haben. Das können wir mit unseren drei Tierpflegerinnen nicht leisten. Aber wir sind bereit, in Notfällen zu helfen, das haben wir auch schon für Glashütte gemacht. Angesichts dieser Forderungen, zu der auch die gehörte, dass wir eine Fusion mit dem Tierheim Freital vorbereiten sollen, haben wir im Herbst gesagt, wir können mit Glashütte keinen Vertrag machen.

Aber zu Jahresbeginn sah das doch wieder anders aus?

Ja, denn wir erhielten eine E-Mail vom Bürgermeister, in der es hieß, dass die Stadt bereit ist, Zugeständnisse bei den gewünschten Leistungen zu machen und auch der Wunsch nach einer Fusion mit Freital für den Vertrag fürs Jahr 2011 keine Rolle spielen wird. Daraufhin hat unser Vorstand getagt und sich darauf verständigt, unter den geänderten Umständen auch mit Glashütte einen Vertrag abzuschließen. Umso verwunderter waren wir, als wenig später genau die gleichen Forderungen wieder auf den Tisch kamen plus die nach der Fusion mit Freital. Das betrachten wir schon als eine starke Einmischung in unsere vereinsinternen Angelegenheiten. Wann und mit wem wir fusionieren, das kann uns niemand vorschreiben, auch nicht der Stadtrat von Glashütte. Darüber wollen wir selber entscheiden, wie das jeder andere Verein auch machen würde.

Zieht der Verein denn überhaupt eine Fusion in Betracht?

Wenn es die Situation erfordert, werden wir uns nicht dagegen stellen. Wir recherchieren schon seit Längerem in verschiedene Richtungen, schauen völlig unverbindlich, welcher Partner zu uns passen könnte. Das muss nicht zwangsläufig Freital sein.

Welche Vorteile könnte eine solche Fusion bringen?

Man könnte Aufgaben neu zuordnen, je nachdem, wer besser in der Lage ist, sie zu erfüllen. Wir zum Beispiel verfügen über eine gute Quarantänestation, die andere vielleicht nicht haben, dafür aber etwas anderes, was uns hilft. Dasliefe dann alles unter eine Flagge, wäre dadurch einfach zu handhaben und würde helfen, die Betreuung der Tiere insgesamt zu optimieren. Es gibt also durchaus Vorteile bei einer Fusion, wenn die Einrichtungen zueinander passen und sich ergänzen können.

Das Gespräch führte Regine Schlesinger.